Die Kuratoranrede von Herrn Wadim Burlak

Vadim BurlakSchriftsteller, Reisender, Forscher, der hinter seinen Schultern mehr als 130 Expeditionen durch die Welt hat, die dem weltweiten Problem des Überlebens der Menschheit gewidmet sind. Sohn von Nicholas Burlak, einem der wenigen Amerikaner, der an der Front des Großen Vaterländischen Krieges gekämpft hat, und Aleksandra Zolotukhina – einer sowjetischen Balletttänzerin und Schönheit, Schauspielerin, die sich 1945 in Berlin an der Mauer des Reichstags getroffen und in Deutschland geheiratet haben. Sein Interesse für Deutschland hat Vadim Burlak im neuen Buch «Geheimnisse Bayerns» mit Wärme dargestellt,  das demnächst herauskommen soll.

BURLAK: Ich grüße Sie, sehr geehrte Teilnehmer des Internationalen Forums der kreativen Jugend! Ich bin reisender Schriftsteller, Vadim Burlak. Ich bin in meinem Leben viel gereist, alle meine Expeditionen waren eine Art Volks-  und Kulturdiplomatie, weil die Mitglieder dieser Expeditionen auch Journalisten sowie literatur- und kunstschaffende Leute waren. Und in jedem Land, wo immer wir auch waren, erzählten wir den Menschen über die Leistungen der russischen Kultur und Literatur. 

Lange Zeit habe ich die Geschichte der Beziehungen zwischen russischen Literaturschaffenden, Künstlern und Schauspielern und anderen Kulturen erforscht. Und natürlich bin ich längst zu der Schlussfolgerung gekommen, dass gerade die kulturelle Diplomatie hilft, nicht nur die gegenwärtigen Ereignisse zu verstehen, sondern auch oft die Probleme zu lösen, die in aller Heftigkeit vor der Menschheit entstehen. Denn die kulturelle Diplomatie ist nicht durch den Rahmen der staatlichen bzw. bürokratischen Maschine gefesselt, sie verträgt keinen ideologischen Druck eines Landes auf das andere, eines Volkes auf das andere. Deswegen ist es besonders wichtig für diejenigen, die entscheiden werden, wie das 21. Jahrhundert sein wird, auch das zu entscheiden, welche Richtung die kulturelle Diplomatie nehmen wird. In diesem Zusammenhang sind bei mir Fragen entstanden an die Teilnehmer des Internationalen Jugendforums. Wie sehen Sie die Perspektiven und die Weiterentwicklung der Kulturdiplomatie im 21. Jahrhundert? Sehr wichtig ist, wie Sie die Beziehungen zwischen Literatur und Kunst Deutschlands und Russlands sehen, denn diese Beziehungen haben tiefe historische Wurzeln. Es genügt, sich an das erste russische Theater zu erinnern, das im 17. Jahrhundert unter Zar Alexej Romanov gegründet wurde. Wer gründete das erste russische Theater? – Der in Moskau bekannte deutsche Pfarrer Johann Gottfried Gregory und der russische Lehrer Michailov (Georg Hüfner). Sie waren auch seine ersten Regisseure und Schauspieler. Interessant sind auch die Beziehungen zwischen dem russischen und deutschen Theater. Anfang des 19. Jahrhunderts leitete der große deutsche Dichter Johann Wolfgang Goethe nicht nur viele Jahre lang das Theater, sondern war auch sein Regisseur. Mehrere Werke hat er der Theaterkunst gewidmet. Und die russischen Schauspieler und Regisseure des 19. Jahrhunderts nahmen Goethes Schule an und studierten all diese Werke. Es verging nicht sehr viel Zeit, und Anfang des 20. Jahrhunderts lernten die deutschen Regisseure und Schauspieler schon bei einem russischen Regisseur – Stanislawski. Somit währt die Beziehung zwischen den Künstlern und Schriftstellern beständig. Wie sehen Sie diese Beziehungen im 21. Jahrhundert, wie kann man sie weiterführen?

Heutzutage haben wir so eine wunderbare Erfindung wie Internet. Natürlich ist es an Ihre Generation, alle Arten seiner Benutzung zu entwickeln. Interessant wäre zu wissen, wie kann man aus Ihrer Sicht das Internet heute in der Kulturdiplomatie benutzen?

Abschließend wünsche ich allen Teilnehmern des Internationalen Forums der kreativen Jugend, nach Moskau zu kommen, um neue Freunde, Mitstreiter, Gleichgesinnte zu finden und hier wenigstens einen Teil ihrer Pläne und Ideen, die mit der kulturellen Diplomatie verbunden sind, umzusetzen.