Die Kuratoranrede von Herrn Emmanuil Mkrttschjan

Emmanuil Mkrttschjan (Armenien), Chefredakteur der Nachrichtenagentur „Arminfo“, Leiter des Informationsanalytischen Zentrums “Ost-West”, Geschäftsführer der Nationalen Ratingagentur   AmRating/GlobalRating:

Guten Tag! Ich begrüße Sie, liebe Teilnehmer des Forums der kulturellen Diplomatie! Ich spreche zu Ihnen aus dem sonnigen Armenien, dem Lande ausdrücklicher Kontraste, darunter auch kultureller und politischer. Warum ich so sage? Weil ich gerade von diesem Standpunkt aus Ihnen ein paar Fragen stellen möchte. Ich finde, dass das Format der kulturellen Diplomatie sehr, sehr wichtig ist. Und es ist sehr gut, dass unsere Jugendlichen gerade aus diesem Standpunkt Verbindungsstellen suchen werden, die sozusagen einzementiert werden könnten, die Prioritäten zusammenbinden, die Aufgaben, die Themen, deren Aktualität in letzter Zeit leider immer realistischer wird. Ich bin Direktor der Nachrichtenagentur „Arminfo“, einer von wenigen völlig unabhängigen Agenturen, und, ich würde sagen, es ist eine Geschäftseinrichtung. Wir verkaufen unsere Information aus Armenien der ganzen Welt und bemühen uns daher objektiv zu sein. Und in dieser Objektivität sehen wir sehr viele Probleme. Eines der Probleme, mit dem ich mich an Sie wenden möchte, damit Sie erarbeiten, verstehen und irgendwelche Lösungswege finden, ist, dass viele Länder, die früher Republiken der Sowjetunion waren, heute bemüht sind, gleichzeitig auf zwei Stühlen zu sitzen. Armenien ist eines dieser Länder. Sie führt sozusagen eine „Mehrvektorendiplomatie“. Sie wissen sehr gut, dass seit 2013 eine neue Gemeinschaft gebildet wird, eine neue Union – EAWG (?) Euroasiatische Gemeinschaft, die uns in gewissem Maße zu der Zeit zurückführt, als wir alle zusammen stark waren. Bei weitem nicht alle Länder haben sich dieser Gemeinschaft angeschlossen, aber wir wissen sehr wohl am Beispiel der Ukraine, wie die „Wasserscheide“ in der heutigen großen Politik aufgefasst wird. Die Logik der internationalen Beziehungen sagt uns, dass es keine Alternative der Mehrvektorpolitik gibt. Einerseits ist Armenien dieser Euroasiatischen Gemeinschaft beigetreten, andererseits sind die westeuropäischen Länder sowie  die USA bemüht, von Armenien nicht wegzutreten, um hier ihre Interessen zu verteidigen. In dieser Hinsicht führen die Länder der EWG und die USA ernsthafte Arbeit fort, Armenien wirtschaftlich zu unterstützen und wirtschaftliche Präferenzen dem Land zu verschaffen, das schon vollberechtigtes Mitglied der Euroasiatischen Gesellschaft ist.  Wird hier vielleicht etwas verschweigt, bestehen irgendwelche Risiken? Diese Frage möchte ich an Sie richten.

Weil, als Armenien und andere Länder – Weißrussland, Kasachstan und Russland – dieser Gemeinschaft beitraten, hieß es von der einen auch von der anderen Seite: entweder – oder. Wenn ihr dieser Gemeinschaft betretet, müsst ihr aus der anderen austreten. Ich bin jedoch der Meinung, dass diese Formel eher aus zwei „und“ bestehen muss. Kann man so was machen? Zu welchen Bedingungen kann man diese – leider schwierige – Aufgabe lösen? Ich glaube, Sie schaffen das. Besonders bitte ich diejenigen Vertreter unserer Jugend sich in dieses Thema zu vertiefen, die sich so oder anders mit Diplomatie befassen, die Diplomatik studieren. Das ist sehr wichtig. Wie sollen wir also handeln? Werden wir in der Lage sein, zu leben und unsere Beziehungen im internationalen Koordinatensystem nach dem Prinzip „und – und“ und nicht nach dem Prinzip „entweder – oder“ zu entwickeln?